Du kennst diese Momente. Alles kommt gleichzeitig. Ein schwieriges Gespräch steht an. Im Team brodelt es. Dein Kalender ist voll und du läufst schon am Limit.Nach außen wirkst du ruhig und nur einige Kollegen merken, dass du dir nicht mehr soviel Zeit für ein Gespräch nimmst und du ungeduldiger bist.
Innen sieht es anders aus. Zu viele Gedanken gleichzeitig und Probleme, die gelöst werden wollen. Und du spürst den Druck, funktionieren zu müssen. Vielleicht hält dich dein Gedanke an den nächsten Urlaub aufrecht. Und gleichzeitig merkst du, wie dein Stresslevel steigt und du siehst keine Lösung.
Genau hier setzt resiliente Führung an.
Unter Druck reagiert dein Körper schneller, als du denken kannst.
Dein Nervensystem schaltet in einen Modus, der auf kurzfristige Reaktion ausgelegt ist:
Die Folge:
Genau dann leidet deine Klarheit und deine Gesundheit. Gespräche werden kürzer. Geduld nimmt ab.
Du reagierst, statt bewusst zu führen.
Resilienz bedeutet nicht, keinen Stress zu haben.
Sondern zu wissen, wie du dich selbst regulieren kannst.
Hier sind vier zentrale Ansatzpunkte, die sich im Alltag bewährt haben:
Wenn dein Stresslevel steigt, ist dein Atem der schnellste Zugang zu deinem Nervensystem. Die Resilienzforschung zeigt, dass diese Resonanzatmung emotionalen Stress bereits in zwei Minuten reduziert und steigert die Entscheidungsfähigkeit in Belastungssituationen. (De Couch, M., Caers, R., Musch, L-Liegauf, J., Giangreco, A., Gidron, Y. (2019) How breathing can help us make decisions better decisions.
4 Sekunden einatmen
6 Sekunden ausatmen
Schon zwei Minuten helfen, dein System zu beruhigen und wieder klarer zu denken.
Unter Druck verlieren viele Führungskräfte den Kontakt zu dem, was ihnen wirklich wichtig ist.
Fragen, die helfen:
Werte geben Orientierung für uns selbst und für unsere Kollegen.
Hinter Stress stehen oft unerfüllte Bedürfnisse.
Beispiele aus meinen Resilienztrainings mit Führungskräften:
Wenn du erkennst, welches psychologisches Grundbedürfnis gerade betroffen ist, kannst du bewusster damit umgehen, statt nur zu reagieren. Der erste Schritt ist die Wahrnehmung der unerfüllten Bedürfnisse und der nächste Schritt ist das Kommunizieren an das Team und die Kollegen. Das lernt ihr im Training.
Resilienz entsteht im Alltag durch ein Gleichgewicht:
Was stärkt dich (Schutzfaktoren)? z.B. Optimismus, Akzeptanz, Lösungs- und Zielorientierung, Geteilte Visionen, Verfügbare Ressourcen, Transparenz, sich einbezogen fühlen, Kohärenzgefühl, Wertschätzung
Was belastet dich (Risikofaktoren)? z.B. Hohe Arbeitsintensität, Überstunden, Dienstreisen, Häufige Störungen, Schlechte Kommunikation, Druck durch Vorgesetzte, Unklare Ziele, Arbeitsplatzunsicherheit, zu viel Verantwortung, Angst vor Fehler, Perfektionismus und nicht „Nein“ sagen, Rollenkonflikte
Schutzfaktoren können sein:
Schutzfaktoren stärken die individuelle Resilienz und sollten die Anzahl an Risikofaktoren übersteigen, um dauerhaft mental gesund zu sein.
Viele Führungskräfte versuchen, Stress „wegzuarbeiten“ und hoffen auf den nächsten Urlaub.
Resiliente Selbstführung bedeutet etwas anderes:
Führen unter Veränderungen und hoher Komplexität ist heute normal.
Die Frage ist nicht, ob Stress da ist, sondern, wie du damit umgehst.
Wenn du lernst, dich selbst besser zu regulieren, deine Copingstrategien zu verstehen,
verändert sich auch deine Wirkung als Führungskraft.
Und genau dort entsteht nachhaltige Veränderung.
Was hilft dir aktuell, wieder in dein Gleichgewicht zu kommen, wenn der Stress steigt?
Herzliche Grüße
Sonja