Die meisten Menschen stehen morgens nicht auf und sagen:
„Ich bin überlastet.“
Sie sagen:
„Ich muss nur noch diese Woche schaffen.“
„Wenn das Projekt vorbei ist, wird es ruhiger.“
„Nach dem Urlaub wird es besser.“
Doch genau dieses „nur noch kurz durchhalten“ wird für viele zum Dauerzustand.
Aktuelle Auswertungen zeigen eine alarmierende Entwicklung:
Der Anteil der Menschen mit erhöhter Stressbelastung ist in den letzten Jahren von rund 45 Prozent auf über 90 Prozent gestiegen.
Das bedeutet:
Heute erlebt nahezu jeder zweite Beschäftigte eine Belastung, die vor wenigen Jahren noch als Ausnahme galt.

Quelle: DGFP-Magazin Personalführung Ausgabe 06/2025 mit Daten der DNLA Analysen
In Gesprächen mit Führungskräften höre ich häufig: „Die Arbeitsmenge ist gestiegen.“ Das stimmt.
Doch die Arbeitsmenge allein erklärt diese Entwicklung nicht. Menschen können erstaunlich viel leisten, wenn sie Orientierung, Sicherheit und Einflussmöglichkeiten erleben. Belastend wird es, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig auftreten.
Zum Beispiel:
Viele Mitarbeitende erleben zusätzlich Unsicherheit:
„Wie sieht meine Rolle in Zukunft aus?“
„Bin ich den Anforderungen noch gewachsen?“
„Wird mein Arbeitsplatz bestehen bleiben?“
Diese Unsicherheit kostet enorme psychische Energie.
Was viele Führungskräfte unterschätzen ist, dass Mitarbeitende nicht als unbeschriebenes Blatt zur Arbeit kommen.
Sie bringen ihr gesamtes Leben mit. Eine Ehekrise. Die Pflege eines Angehörigen. Finanzielle Sorgen.
Gesundheitliche Belastungen. Konflikte in der Familie. Von außen bleibt das oft unsichtbar.
Doch genau diese Faktoren entscheiden darüber, wie viel Belastung ein Mensch noch auffangen kann.
Die berufliche Herausforderung ist dann häufig nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Eine spannende Beobachtung aus der Resilienzforschung:
Nicht die Belastung entscheidet allein über die Folgen.
Entscheidend sind die vorhandenen Schutzfaktoren. Die Anzahl der Schutzfaktoren sollte die Risikofaktoren übersteigen.
Menschen bleiben auch unter Druck oft erstaunlich stabil, wenn sie:
Genau hier setzt Resilienz an. Nicht als „Wohlfühlprogramm“.
Sondern als Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben und die eigenen Ressourcen zu stärken.
Die Arbeitswelt wird nicht einfacher oder langsamer. Daher ist es wichtig sich als Führungskraft zu fragen:
„Wie stärken wir die Fähigkeit unserer Mitarbeitenden und Teams, gesund mit Belastung umzugehen?“
Resiliente Teams zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie keinen Stress erleben.
Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch unter Druck:
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*Titelbild über pexels.