Emotionen im Job: Warum Ärger keine Schwäche ist

Ärger im Job ist kein Zeichen von Unprofessionalität, sondern eine Nachricht deines Körpers. Er zeigt dir, dass ein Wert verletzt wurde, ein Ziel blockiert ist oder etwas ungerecht läuft. Wer diese Emotion bewusst benennt, statt sie wegzudrücken, gewinnt Klarheit und Handlungsspielraum zurück.

Warum wir Emotionen im Job wegdrücken

Du sitzt im Kundenmeeting. Ein Kollege sagt etwas, und in dir kocht Wut hoch. Du spürst Hitze in der Brust, dein Kiefer mahlt. Was machst du jetzt?

Die meisten schlucken es runter. Lächeln weiter, machen weiter, als wäre nichts gewesen. Abends schleppen wir die miese Laune mit nach Hause und ärgern uns weiter.

Das ist ein Denkfehler, den viele von uns aus dem Berufsleben mitschleppen: die Vorstellung, Emotionen hätten im Business nichts zu suchen. Wir haben gelernt, Gefühle in gut und schlecht einzuteilen.

  • Freude, Begeisterung, Ruhe: gut
  • Wut, Angst, Ärger: schlecht, am besten wegdrücken und ignorieren

Was deine Emotionen dir wirklich sagen wollen

Jede Emotion ist eine Nachricht deines Körpers an dich. Sie ist ein wertvoller Hinweisgeber auf erfüllte und unerfüllte Bedürfnisse (S. Mauritz).

😁 Freude zeigt dir, dass ein Bedürfnis erfüllt ist.

😡 Ärger zeigt dir, dass ein Wert von dir verletzt wurde, du ein Ziel nicht erreicht hast oder etwas unfair ist. Dein Körper meldet sich, bevor du die Situation mental überhaupt erfasst hast.

Das passiert privat genauso wie im Job. Jemand übergeht dich. Eine Entscheidung wird getroffen, die deine Werte verletzt und hinter der du nicht stehst. Plötzlich bist du emotional, obwohl du eigentlich professionell oder sachlich bleiben wolltest.

Wie du mit Ärger im Job umgehst: Benennen statt verdrängen

Das Wichtige ist gar nicht, diese Gefühle loszuwerden. Das Wichtige ist, sie zu benennen: „Ah, das gerade ist Ärger, und der zeigt mir, dass mir etwas wirklich wichtig ist.“

Allein dieses Benennen (Name it to tame it) hat einen erstaunlichen, kurativen Effekt. Es macht aus einem Sturm im Kopf etwas, das du tatsächlich anschauen kannst. Alles, was wir benennen können, können wir auch erkennen und damit umgehen.

Der Raum zwischen Reiz und Reaktion

Zwischen dem, was mit dir passiert, und dem, wie du darauf reagierst, liegt ein Raum. Genau in diesem Raum entscheidet sich, ob du vom Außen gesteuert wirst oder ob du selbst steuerst.

Darin liegt deine Freiheit. Und darin liegt auch die Chance, an der Situation zu wachsen.

Wie gehst du gerade mit deinem eigenen Ärger um? Schluckst du ihn runter, oder schaust du genau hin?

Resilienz-Training: Emotionen im Arbeitsalltag gezielt trainieren

Im Resilienz-Training betrachten wir solche Situationen aus eurem Arbeitsalltag. Ihr lernt, wie ihr damit besser umgeht und kommuniziert, und vor allem, wie es euch damit langfristig besser geht.

Gestern hat sich eine Führungskraft genau für dieses Thema bei mir zum Resilienz-Coaching angemeldet. In einem nächsten Training hat mir ein Kunde seine Fallbeispiele genannt, damit wir genau diese Situationen durchgehen und Ressourcen stärken können.

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Häufige Fragen

Sind Wut und Ärger im Job ungesund? Nein, Wut und Ärger sind an sich nicht ungesund. Ungesund wird es, wenn sie dauerhaft unterdrückt statt bewusst wahrgenommen werden. Als Signal ernst genommen, zeigen sie dir verletzte Werte oder blockierte Ziele und lassen sich gezielt bearbeiten.

Was bedeutet „Name it to tame it“? „Name it to tame it“ beschreibt das bewusste Benennen einer Emotion in dem Moment, in dem sie auftritt. Studien zur Emotionsregulation zeigen, dass allein das Benennen eines Gefühls seine Intensität spürbar reduzieren kann.

Wie erkenne ich, welches Bedürfnis hinter meinem Ärger steckt? Frag dich im Moment des Ärgers: Welcher meiner Werte wurde gerade verletzt? Was ist mir in diesem Moment wirklich wichtig? Welches Ziel wurde blockiert? Oder empfinde ich die Situation als ungerecht? Die Antwort zeigt dir meist direkt das dahinterliegende Bedürfnis.

Was ist der Unterschied zwischen einer Emotion und einer Reaktion? Die Emotion ist der erste, unwillkürliche Impuls, zum Beispiel Wut. Die Reaktion ist das, was du danach bewusst damit machst. Zwischen beiden liegt ein kurzer Moment, in dem du wählen kannst, wie du reagierst.

Logo Sonja Albrech, Trainerin für Mindful Leadership und Resilienz für Führungsteams in Hamburg.
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