Der Anteil der Beschäftigten mit erhöhter Stressbelastung ist branchenübergreifend von 56,5 Prozent (2018/2019) auf 86,1 Prozent (2023/2024) gestiegen. Besonders drastisch zeigt sich das im Einzelhandel: Dort hat sich der Anteil betroffener Mitarbeitender von 45,5 auf 90,0 Prozent – nahezu exakt verdoppelt. Auch in Kliniken (54,3 % → 90,5 %), bei Krankenkassen (55,6 % → 92,5 %) und im Automobilhandel (51,5 % → 83,1 %) zeigt sich derselbe Trend.
Die meisten Menschen stehen morgens nicht auf und sagen: „Ich bin überlastet.“ Sie sagen: „Ich muss nur noch diese Woche schaffen.“ „Wenn das Projekt vorbei ist, wird es ruhiger.“ „Nach dem Urlaub wird es besser.“
Doch genau dieses „nur noch kurz durchhalten“ wird für viele zum Dauerzustand.
Eine Auswertung von DNLA-Potenzialanalysen über 1.298 Teilnehmende zeigt: Der Gesamtanteil der Beschäftigten mit Stressbelastung stieg von 56,5 Prozent (2018/2019) auf 86,1 Prozent (2023/2024). Besonders betroffene Gruppen im Vergleich:

Quelle: DGFP-Magazin Personalführung Ausgabe 06/2025 mit Daten der DNLA Analysen
In Gesprächen mit Führungskräften höre ich häufig: „Die Arbeitsmenge ist gestiegen.“ Das stimmt. Doch die Arbeitsmenge allein erklärt diese Entwicklung nicht. Menschen können erstaunlich viel leisten, wenn sie Orientierung, Sicherheit und Einflussmöglichkeiten erleben. Belastend wird es, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig auftreten, zum Beispiel:
Viele Mitarbeitende erleben zusätzlich Unsicherheit: „Wie sieht meine Rolle in Zukunft aus?“ „Bin ich den Anforderungen noch gewachsen?“ „Wird mein Arbeitsplatz bestehen bleiben?“ Diese Unsicherheit kostet enorme psychische Energie.
Was viele Führungskräfte unterschätzen: Mitarbeitende kommen nicht als unbeschriebenes Blatt zur Arbeit. Sie bringen ihr gesamtes Leben mit – eine Ehekrise, die Pflege eines Angehörigen, finanzielle Sorgen, gesundheitliche Belastungen, Konflikte in der Familie. Von außen bleibt das oft unsichtbar.
Doch genau diese Faktoren entscheiden darüber, wie viel Belastung ein Mensch noch auffangen kann. Die berufliche Herausforderung ist dann häufig nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Eine zentrale Erkenntnis aus der Resilienzforschung: Nicht die Belastung allein entscheidet über die Folgen. Entscheidend sind die vorhandenen Schutzfaktoren – ihre Anzahl sollte die Risikofaktoren übersteigen.
Menschen bleiben auch unter Druck oft erstaunlich stabil, wenn sie:
Genau hier setzt Resilienz an. Nicht als „Wohlfühlprogramm“, sondern als Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben und die eigenen Ressourcen zu stärken.
Die Arbeitswelt wird nicht einfacher oder langsamer. Daher lohnt sich die Frage: „Wie stärken wir die Fähigkeit unserer Mitarbeitenden und Teams, gesund mit Belastung umzugehen?“
Resiliente Teams zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie keinen Stress erleben. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch unter Druck handlungsfähig bleiben, konstruktiv kommunizieren, Prioritäten setzen und sich gegenseitig unterstützen.
Ich biete als Partnerin von DNLA (Discovering Natural Latent Abilities) Potenzialanalysen und Führungskräfteentwicklung mit Hilfe dieser Analysetools an. Wenn das für dein Team oder dich interessant klingt, buche dir einen kostenlosen Erstgesprächstermin.
Wie stark ist die Stressbelastung in Deutschland wirklich gestiegen?
Laut einer DNLA-Auswertung über 1.298 Teilnehmende stieg der Anteil der Beschäftigten mit Stressbelastung branchenübergreifend von 56,5 Prozent (2018/2019) auf 86,1 Prozent (2023/2024). Im Einzelhandel hat sich der Wert nahezu exakt verdoppelt (45,5 % auf 90,0 %).
Welche Branchen sind am stärksten betroffen?
Besonders hohe Werte zeigen sich bei Krankenkassen (92,5 %), im Klinikum (90,5 %) und im Einzelhandel (90,0 %). Aber auch Automobilhandel, Genossenschaftsbanken und der soziale Bereich liegen deutlich über 80 Prozent.
Was können Führungskräfte konkret gegen steigende Stressbelastung tun?
Zentrale Hebel sind: aktiv nach dem Stressempfinden fragen, Aufgaben und Rollen klären, eine gute Fehlerkultur etablieren, psychologische Sicherheit schaffen und den Entwicklungsstand der Mitarbeitenden regelmäßig überprüfen, etwa mit einer Potenzialanalyse.
*Titelbild über pexels.